Ernste und Trivialliteratur

Schreiben ist eine kreative Tätigkeit. Wie alle Berufe und Hobbys dieser Kategorie streut auch hier das Betätigungsfeld von „Design von Gebrauchsgegenständen“ über „Dekoration“ bis zu „tiefsinniger Kunst“.

Beim Schreiben gehört z. B. Werbetexten eindeutig zum „Gebrauchsdesign“. Journalismus ist zwar – wenn er gut ist – „tiefsinnig“, aber eher nicht künstlerisch. Gedichte gelten vielen per se als Kunst, während z. B. Romane vom Groschenheft bis zur potentiellen Weltliteratur alles abdecken.

Ich behaupte: Diese Einteilung ist für das Schreibhandwerk irrelevant. Zumindest, wenn man sie als Güte-Merkmal heranzieht.

Egal, ob man für eine Romanheftserie schreibt, dem aktuellen Mainstream folgt oder „Kunst“ macht: Gut ist der Text, wenn ein möglichst großer Teil des Zielpublikums ihn „flüssig runterlesen“ kann und dabei etwas versteht (vorzugsweise natürlich das, was der Autor erzählen wollte). Wenn es kurzweilig, unterhaltsam, fesselnd ist, diesen Text zu lesen. Ein Text, durch den man sich durchquälen muss, ist kein guter Text. Er mag von einem wichtigen Thema erzählen, grandiose Erkenntnisse verkünden oder unglaublich innovative Ideen enthalten und also „ernste Literatur“ sein – ein guter Text wird es deshalb nicht.

Je besser ein Text ist, je weniger Energie der Leser also an das Lesen selbst „verschwenden“ muss, desto leichter kann er seinen Inhalt vermitteln.

Erst hier, beim Inhalt, greift die oben genannte Einteilung. Zumindest in dem Maß, wie sie eine ist. In Wirklichkeit beschreibt sie nur die Eckpunkte in einem Kontinuum, in das zudem jeder Leser ganz individuell seine Lektüre einsortiert. Für den einen sind Karl Mays Winnetou-Geschichten abenteuerlich verpackte Völkerkunde, für den anderen Information vortäuschende Schnulzen, der eine bewundert die vielen bunten Figuren darin, den anderen nervt, dass bei May der wilde Westen voll von Deutschen ist und – außer Charlie natürlich – alle irgendwie Dreck am Stecken haben.

Um bei der Wahrheit zu bleiben: Die Güte eines Textes ist keine Garantie für Erfolg und das gleiche gilt für das Gegenteil. Der Originaltext von Don Quijote ist, so erzählte ein Schreibkursleiter mal, nach allen Regeln der Kunst schlecht gemacht: fehlerhaft und stilistisch nicht mal Mittelmaß. Die Story aber ist so gut, dass sie überlebte. Auch ist es nicht ungewöhnlich, dass Bücher, die einfach gut sind bzw. als gut in den Literaturkanon aufgenommen wurden, oft erst vom …zigsten Verlag angenommen wurden oder im Eigenverlag erschienen.

Trotzdem gilt – gerade in unserer von um die Aufmerksamkeit der Leser konkurrierenden Texten so vollen Zeit: Je besser ein Text gemacht ist, desto größer sind seine Chancen, wahrgenommen zu werden, sich einzuprägen und so eine Spur zu hinterlassen.