Grundsätzliches zu Dialogen, Rede und Gedanken

Die meisten (längeren) Geschichten werden so erzählt, dass darin Dialoge auftauchen. Oft werden auch „Gedanken wörtlich zitiert“, zumindest aber wird „indirekt gedacht“. In allen Fällen muss klar werden, dass es gesprochenes Wort, wörtlicher Gedanke bzw. indirekter Gedanke ist. (Ich las mal in ein hochgelobtes Buch rein, das sich nicht darum scherte – es war so mühsam, dass ich das Teil ins Regal zurück stellte.)

Indirekte Gedanken und indirekte Rede

Damit ist gemeint, dass nicht wortwörtlich wiedergegeben wird, was gesagt/gedacht wird. Im Fall von Gedanken ist das sehr üblich, denn oft denken wir „zusammenfassend“, ohne dass uns die „wörtlich wiedergebbare Herleitung“ bewusst wird.

Es gibt keine spezielle Form für diese Fälle, Indirektes wird in „Fließ-Sätze“ eingebunden.

Er dachte, er sei tot.
Anton klingelte. Niemand öffnete. Herr Meier war wohl nicht da.
Anton erinnert sich, dass Gabi gesagt hatte, sie würde zur Oma fahren.

Wörtliche Gedanken und wörtliche Rede

Wörtliche Gedanken werden in aller Regel optisch gekennzeichnet. Satztechnisch bedingt verwendete man in den letzten Jahrzehnten die halben Anführungsstriche, neuerdings aber immer öfter den Kursiv-Druck.

Er dachte: ,Ich bin tot.‘
Anton klingelte. Niemand öffnete. ,Herr Meier ist wohl nicht da.‘
Anton klingelte. Niemand öffnete. Herr Meier ist wohl nicht da.

Wörtliche Rede wird in aller Regel optisch gekennzeichnet. Dazu werden Anführungszeichen benutzt. Benutzen Sie immer die deutschen Anführungszeichen („Ja!“), der Lektor wird es als Pluspunkt wahrnehmen. Und achten Sie auf die korrekte Zeichensetzung!

Anton klingelte. Niemand öffnete. Ein Nachbar schaute aus dem Fenster und sagte: „Herr Meier ist nicht da.“
„Bin ich tot?“, fragte er.
„Das kannst du nicht machen!“, rief er.
„Doch, ich kann das machen“, sagte sie.

Dialoge – Form

Dialoge enthalten wechselseitige wörtliche Rede. Das heißt: Anführungsstriche nicht vergessen!

Es kursiert noch immer die Faustregel, dass jeder neue Rede-Teil einen neuen Absatz zu bekommen habe. Sinnvoll war das noch nie, moderner ist deshalb die Regel, dass jeder Redner – soweit das im Textfluss möglich ist – einen neuen Absatz bekommt.

Das lockert nicht nur das Schriftbild auf und strukturiert es lesefreundlich. Es ist auch inhaltlich gerechtfertigt: Ein Absatz schafft Raum zum „Umschalten“ – man bekommt den nötigen Moment, sich auf den neuen Redner einzustellen, ihn „ins Blickfeld zu nehmen“. Angenehmer Effekt: Der Leser kann leichter „mitwechseln“, man muss bei Zweier-Dialogen viel seltener „sagte er“-Nebensätze zur Klärung, wer gerade spricht, einfügen.

Übrigens: Auch Nonverbales kann Teil von Dialogen sein. Ein unschlüssiges Schulterzucken z. B. hat bei dieser Absatzregelung den selben Stellenwert wie der Satz „Ich weiß nicht.“

Dialoge – Funktion und Klang

Im Dialog geschehen drei Dinge: Der Leser erfährt, was passiert. Der einzelne Redner wird charakterisiert. Die Beziehung der Redner zueinander wird charakterisiert. Natürlich geschieht das alles nicht nur über die Dialoge, aber Dialoge, die nichts davon enthalten, sind überflüssig und langweilig.

Im Dialog werden Entwicklungen zwischen den Figuren gezeigt, sie können Handlungen „begleiten“ und dabei nachvollziehbar machen. Oft werden per Dialog auch handlungsrelevante Informationen vermittelt; das sollte man aber sparsam tun und es muss glaubhaft zum Kontext passen. Otto wird mitten im Liebesspiel Susi wahrscheinlich nicht seine bisherige Lebensgeschichte erzählen.

Die einzelnen Redner sprechen die ihnen eigene Sprache. Das ist nicht die Sprache, die wirklich im Alltag gesprochen wird (so wie die Figuren keine echten Menschen sind, sondern Abstraktionen echter Menschen). Im Alltag sucht man im Gespräch zum Beispiel oft nach Worten – eine literarische Figur, die beim Sprechen nach Worten sucht, würde sofort unsicher und/oder verwirrt wirken. Was in Wirklichkeit übliche Umgangssprache ist, würde eine literarische Figur z. B. eher lax, schnodderig oder gar ungebildet erscheinen lassen.

Die Beziehung zwischen den Dialog-Partnern äußern sich in der Ansprache (du, Sie, Ihre Majestät), in der Wortwahl (man redet mit seinem Chef anders als mit seinem Lebenspartner und in Gegenwart der eigenen Mutter anders als in Gegenwart der Tochter), in der Themenführung (eiert man rum, sagt man es gerade heraus, ist man betont witzig) und allen anderen für die Kommunikation wichtigen Elementen.

Kommuniziert wird nicht nur durch die bloßen Worte. Wichtig sind Betonungen, die im geschriebenen Text durch Satzzeichen, den „sagte er“-Satz(teil) und durch den Satzbau gekennzeichnet werden können.

Sehr oft unterschätzt: Wir kommunizieren viel mehr nonverbal, als uns klar ist. Sie als Autor müssen sich diese Ebene bewusst machen! Ein Schweigen ist oft beredeter als Worte, ein Stirnrunzeln kann Worten eine ganz andere Färbung geben, ein Blickwechsel oder das „dem Blick des anderen Ausweichen“ sind extrem starke Botschaften – auch an den Leser. Also: Schreiben Sie nicht den Wortwechsel wie für ein Theaterstück, sondern spielen Sie den Dialog wie im Film!