Grundsätzliches zur Handlung

 

Was in einer Geschichte passiert und in welcher Reihenfolge es erzählt wird, unterliegt keiner Regel. Hauptsache „es funktioniert“.

Zeitliche Reihenfolge

Am einfachsten ist das Erzählen „von vorn nach hinten“ – also in der Reihenfolge, in der sich die Ereignisse zutragen (lineare Erzählweise). In der Regel werden kurze Rückblenden zur Erhellung der Umstände nötig sein.

Eine Zwischenform besteht darin, dass eine Rahmenhandlung erzählt wird und darin in großen Abschnitte eine weitere/die eigentliche Geschichte erzählt wird – beides „von vorn nach hinten“. Nach diesem Prinzip kann man weitere Schachtelungen vornehmen, dabei wird es mit zunehmender Ebenenanzahl immer schwieriger, den Leser nicht den Überblick verlieren zu lassen.

Für den Gesamt-Rhythmus eines Textes problematisch ist oft auch das Einfügen mittellanger (wenige Absätze langer) Rückblenden. Gelegentlich ist das nicht zu vermeiden, es sollte jedoch von Ungeübten auf „Notfälle“ beschränkt werden.

Handlungsfäden

Die grundlegendste Variante besteht darin, einen Handlungsstrang zu erzählen. In der Regel heißt das, eine Figur dabei zu begleiten, wie sie einen bestimmten Konflikt löst (bzw. er von anderen oder den Umständen gelöst wird).

Oft kommt es vor, dass Ereignisse, die außerhalb des Wahrnehmungs- und Handlungsspielraums der Hauptfigur stattfinden, relevant sind. Diese werden von unerfahrenen Schreibern oft unter Vernachlässigung des Point of View erzählt. Gekonnt wäre es, auch diese Dinge – soweit wie nötig – im Hauptstrang zu vermitteln. Alternativ können Nebenfiguren eingeführt werden oder man erzählt mit „globaler Kamera“ oder als „Märchenonkel“.

Komplexe Geschichten werden oft aus der Sicht verschiedener Figuren erzählt. Diese Handlungsfäden können unterschiedlich eng miteinander verwoben sein.

Spannungsbogen

Spannungsbögen entstehen sowohl aus der Handlung als auch dadurch, wie sie erzählt wird. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist dabei aber nicht die Handlung das bestimmende Element: Während eine „unspannende Handlung“ sehr spannend erzählt werden kann, geht selbst die spannendste Handlung „kaputt“, wenn sie schlecht erzählt wird.

Ein einzelner Spannungsbogen sollte frühestens im letzten Sechstel des Handlungsstranges, für den er gilt, seinen Höhepunkt haben. Er darf nicht wieder auf das Ausgangsniveau des Anfanges sinken. Geht der Leser nicht mit einer „Restspannung“ aus der Geschichte heraus, bleibt ein Gefühl von Beliebigkeit zurück – das Buch hat nichts in ihm bewegt.

Je länger ein Text ist, desto öfter sollte es „Zwischenhochs“ geben – der ansteigende Teil des Spannungsbogens verläuft „gewellt“. Bei Geschichten mit mehreren Handlungssträngen überlagern sich die einzelne Spannungsbögen, was in der Gesamtwahrnehmung einen ähnlichen Effekt gibt. Dazu ist nötig, dass nicht alle Handlungsstränge an der selben Stelle zum Höhepunkt kommen.

Der Schluss

Bei all dem gibt es eine Regel: Jede Geschichte braucht einen Schluss – und zwar genau einen. „Geschichte“ meint hier durchaus auch Neben- und Parallelhandlungen. Wenn im Roman A und B um ihre Beziehung kämpfen und in der Nebenhandlung D versucht, einen Berg zu besteigen, dann muss es je einen Schluss für beide Geschichten geben. Nicht unbedingt – oder genau genommen: möglichst nicht – an der „selben“ Stelle im Roman (z. B. im Schluss-Sechstel), aber der jeweilige Spannungsbogen muss auf das „Ergebnisniveau“ sinken.

Schluss heißt nicht, dass der jeweilige Konflikt gelöst ist, er kann sich auch in einen neuen wandeln. So müssen A und B nicht „sich trennen oder nicht trennen“, sie können auch beschließen, dass sie vorübergehend nicht mehr zusammen wohnen. Und D muss nicht zurück ins Tal kommen, er reicht, wenn er den Gipfel erreicht oder beschließt, umzukehren. Vielleicht endet seine Geschichte ja auch mit seinem Tod.