Schreibhandwerk

Schreiben lernt man durch schreiben. Natürlich ist es außerordentlich hilfreich, wenn man sich die Werke anderer ansieht – also viel liest – und sich bei Bedarf mit der Theorie des Erzählens beschäftigt. Vor allem aber lernt man aus eigenen Versuchen und den Rückmeldungen darauf. Vorzugsweise aus Kritiken.

Nun ist es durchaus so, dass nicht jede Kritik brauchbar ist. Eine grundsätzliche Inkompetenz des Kritikers ist allerdings selten der Grund, viel häufiger ist es eine „akute Inkompetenz“. Autor und Leser liegen nicht auf der selben Wellenlänge, die Tipps des Kritikers passen nicht zum Text oder zur Absicht des Autors, der Kritiker drückt sich irreführend aus – solche Dinge kommen vor. Aber: Viele Autoren überschätzen den Anteil unbrauchbarer Kritiken gewaltig. Es gibt Schreiber, die bestenfalls Komma- und Tippfehlerkorrekturen als sinnvolle Hinweise einstufen. Und das nervt.

Noch mehr nerven die Erklärungen, Entschuldigungen und Vorwürfe, die solche Autoren dann als Erwiderung äußern. All diese Sachen laufen darauf hinaus, dass der Text nicht verbessert werden muss. Das mag stimmen: Müssen muss der Autor gar nichts. Aber dann darf er sich auch nicht wundern, wenn er die gleichen Kritikpunkte wieder und wieder und wieder zu hören/lesen bekommt.

In meiner Zeit als Leser und Kommentator auf der Leselupe und in anderen Foren habe ich viele Kritiken und vor allem viele Antworten darauf gesehen. Auf einige typische Ausreden dafür, warum ein Text nicht verbessert werden muss, reagiere ich inzwischen regelrecht allergisch. Ein paar Beispiele:

Ausrede eins: Ich schreibe ja nur für mich.
Der Schwachpunkt dieser Aussage ist schnell klar: Wäre es wirklich so, hätte der Autor den Text nicht den Lesern im Forum vorgelegt.

Ausrede zwei: Das ist künstlerische Freiheit.
Das klingt im ersten Moment plausibel, hält aber oft der Kontrollfrage „Und warum hast du gerade dieses künstlerische Mittel gewählt?“ nicht stand.

Ausrede drei: Es zählt doch vor allem der Inhalt!
Selbst wenn das richtig wäre, wäre es schön, wenn man den Inhalt auch erfassen könnte und nicht bereits am Lesen verzweifelt.

Ausrede vier: Aber Goethe/Kafka/Hohlbein/Lindgreen … hat das auch so gemacht.
Schon möglich. Aber der/die konnte es auch, er/sie beherrschte dieses Mittel.

Ausrede fünf: Ich will dem Leser nicht alles vorkauen, er soll seine Fantasie benutzen.
Dann gibt doch am besten ein leeres Blatt ab.